Tod im Spiegel

„Es klingt wie eine schlecht ausgedachte Ausrede“, sagt er und sein Zeigefinger deutet direkt in mein Gesicht. Ich fühl mich dumm. Wie ein Kleinkind, das so tut als wäre es gerade nicht bei einer unüberlegten Aktion erwischt worden.

Ich zucke mit den Schultern, verzweifelt dabei, nach einer Erklärung zu suchen, die am meisten Sinn ergibt. „Ich kann es auch nicht erklären“, antworte ich schließlich nach einer unangenehmen Pause. „Wie soll sowas schon passieren? Sie kann nur herausgebrochen sein. Vielleicht hat sie sich gelöst, als wir ihn bewegt haben, oder jemand dagegen gekommen ist.“

„Und wie ist sie dann verschwunden?“, fragt er anklagend, als würde ich absichtlich eine einzelne Scherbe aus einem Spiegel nehmen und verstecken.

„Was weiß ich“, frustriert werfe ich die Arme in die Luft, „ständig gehen Sachen verschwunden, ohne dass man sie wiederfindet.“

„Ja“, grummelt er, „Dinge die man benutzt. Haargummis, Brillen, Stifte. Aber keine Scherben aus einem verdammten Spiegel den wir seit zwei Jahren nicht mehr von seinem Platz bewegt haben.“

„Ja gut“, sage ich, „und was soll ich jetzt dagegen tun? Ist ja nicht so, als wäre die Stelle so essenziell für die Benutzung des fucking Spiegels.“

Ich deute auf besagtes Stück. Ein mannshoher, 100 Jahre alter Spiegel, der aus dem Besitz meiner Urgroßmutter stammt. Mit bunter Emaille am Rand und bunt eingefärbten Gläsern die die Grenze des spiegelnden Materials verziert. Und genau so ein farbliches, unebenes Stück Glas ist vor wenigen Stunden aus dem Spiegel verschwunden. Spurlos, ohne Vorwarnung, ohne Hinweis darauf, wie es passiert sein konnte.

Er will etwas sagen, aber bevor weitere wütende Worte aus seinem Mund sprudeln, unterbricht eine weibliche Stimme aus dem angeschalteten Fernseher im Wohnzimmer die Stille.

„Vor wenigen Minuten wurde Thomas Quinn tot in seiner Wohnung aufgefunden. Laut der Polizei hat ein noch unbekannter Täter mit einem Stück Glas die Kehle des Opfers durchtrennt. Die Scherbe wurde am Tatort gefunden, es folgt ein Bild der Tatwaffe. Die Scherbe scheint zu einem Spiegel, oder ähnlichen dekorativen Gegenstand zu gehören, da das Glas bunt gefärbt ist und bereits etliche Jahre alt zu sein scheint.“

Meine Gedanken:

Diese winzige Geschichte ist entstanden, als ich hoffnungslos in einer Schreibblockade verloren war. Als ich einen Schreibkurs über meine Uni gemacht habe, haben wir diese Aufgabe bekommen, um ohne viel nachzudenken schreiben zu können. Mit einem random word generator habe ich mir drei Wörter ausspucken lassen: Glas, Ausrede, wenige. Mit dem Plan, nicht mehr als eine Seite zu schreiben, habe ich den Stift in die Hand genommen und das daraus produziert.

Sagt mir gerne, was ihr von der Geschichte haltet!

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